Als Helge Anton Rosenvinge Hansen 1897 in Kopenhagen geboren, schien sein Weg zunächst vorgezeichnet: Studium der Chemie am Polytechnikum, Diplom als Ingenieur. Doch parallel zum Reagenzglas kam die Stimme — Privatunterricht bei einem ehemaligen Schüler von Jean de Reszke öffnete ihm ein zweites Leben.
1921 das Debüt in Neustrelitz als Don José in „Carmen" — kein Auftakt mit Pauken, sondern mit harter Provinzarbeit. Es folgten Engagements in Altenburg, Basel und Köln, die ihn formten. 1929 dann der Sprung an die Berliner Staatsoper als Nachfolger Richard Taubers — eine Stelle, die er bis 1944 innehielt. Ab 1930 sang er parallel an der Wiener Staatsoper, ab 1932 bei den Salzburger Festspielen, 1934 und 1936 als Parsifal in Bayreuth, 1938 als Florestan in „Fidelio" am Covent Garden in London.
Sein Repertoire war außergewöhnlich breit: die großen Mozart-Partien (Tamino, Don Ottavio), das italienische Fach (Manrico, Radames, Calaf), Beethovens Florestan, Webers Hüon, Strauss' Bacchus, das gesamte Puccini-Spektrum, Operette und Lied. Über 200 Vorstellungen pro Jahr in seinen produktivsten Spielzeiten, in über 25 verschiedenen Städten — möglich nur durch einen „Go-anywhere"-Vertrag mit der Lufthansa und später ein eigenes Privatflugzeug. „Den flyvende sanger" — der fliegende Sänger — nannte ihn die dänische Presse.
1934 wurde er zum Preußischen Kammersänger ernannt, 1936 zum Königlich Dänischen Kammersänger. Die Jahre 1933 bis 1945 waren künstlerisch sein Zenit und politisch der dunkelste Abschnitt seiner Biographie — ein Kapitel, das diese Seite an anderer Stelle ausführlich und mit Primärquellen behandeln wird.
Nach Kriegsende sechs Monate Internierung in einem sowjetischen Lager bei Moskau, anschließend Rückkehr nach Dänemark — wo ihn die Presse als Kollaborateur empfing, obwohl er weder angeklagt noch verurteilt wurde. Es folgte eine Zeit als Schiffsfarben-Chemiker in Vigo, ein Comeback in der Schweiz, schließlich ab 1949 die Rückkehr an die Wiener Staatsoper, wo er bis 1959 sang. 1951 erhielt er den Goldenen Ring der Wiener Staatsoper, 1955 die Ehrenmitgliedschaft der Berliner Staatsoper.
Sein 70. Geburtstag fand 1967 auf der Bühne des Theaters an der Wien als Sou Chong in „Das Land des Lächelns" statt. Sein 50-jähriges Bühnenjubiläum feierte er mit 73 in einer Uraufführung. Er starb am 19. Juni 1972 in München. Begraben liegt er auf dem Glostrup Nordre Kirkegård in Dänemark — Staatsbürger geblieben bis zuletzt. 1983 benannte Wien-Donaustadt eine Straße nach ihm: die Rosvaengegasse.